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Raritäten aus dem Archiv

Die Frankfurt - Offenbacher Lokalbahn

Die Strecke der Frankfurt - Offenbacher Lokalbahn zwischen dem zunächst "Offenbacher Bahnhof" genannten Lokalbahnhof in Frankfurt-Sachsenhausen und dem Lokalbahnhof in Offenbach ging 1848 in Betrieb. Sie war die erste Schienenverbindung überhaupt zwischen den beiden Nachbarstädten, noch 25 Jahre vor der Frankfurt-Bebraer Eisenbahnstrecke und 36 Jahre vor der FOTG. Obwohl die Nutzerzahlen der Lokalbahn nach dem Bau der parallel verlaufenden Straßenbahn erst rückläufig waren, fanden beide über ein Jahrhundert ihr Auskommen.
Links: Der Lokalbahnhof in Sachsenhausen von der Darmstädter Landstraße aus gesehen, links liegt im Hintergrund die Willemerschule. Rechts: Blick von Osten um 1910, ein Zug verlässt den Lokalbahnhof Rtg. Offenbach. Rechts Dreieich-, links Heisterstraße, im Hintergrund der Schornstein einer Fabrik an der Darmstädter Landstraße. Im Vordergrund liegt seit 1970 die Straßenbahnhaltestelle Lokalbahnhof.
Anstelle des Offenbacher Lokalbahnhofs befindet sich heute ein Parkdeck an der Berliner Straße. Diese Straße entstand erst mit dem Bau des Offenbacher S-Bahntunnels, der weitgehend dem Verlauf der ehemaligen Lokalbahntrasse folgt. Südlich davon liegt immer noch die "Bahnhofstraße", die seit über 60 Jahren im Gegensatz zur Kaiserstraße keine Fremden mehr zum Bahnhof führt. Als 1948 das 100-jährige Jubiläum der Lokalbahn gefeiert werden konnte, war der Bahnhof mit Flaggen geschmückt, noch rechnete niemand mit dem baldigen Ende...  
 
Links: Als die Fahrgastzahlen der Lokalbahn Anfang der 50er Jahre mit der stetig zunehmenden Motorisierung zurück gingen, reagierte die DB darauf durch den Einsatz von Triebwagen anstelle von Wagenzügen. Im Frankfurter Lokalbahnhof wartete 1951 ein VT 70 auf die Abfahrt, am rechten Bildrand standen noch Ruinen in der Heisterstraße. Rechts: Sonderfahrkarte zur Einstellung der Lokalbahn am 1. Oktober 1955.  

Von Frankfurt nach Offenbach: Die erste deutsche Straßenbahn im öffentlichen Verkehr

Mutige Leute mit Unternehmergeist waren es, die sich 1882 zu einem Konsortium zusammen schlossen um die FOTG zu gründen. Denn schließlich war "die Elektrische" damals ein zumindest für Deutschland noch neues und wenig erprobtes Verkehrsmittel, in das man hier mit ungewissem Ausgang Geld investieren wollte. Die Entscheidung für diese Pionierarbeit erwies sich aber als richtig, denn die Bahn warf - trotz der bereits bestehenden Eisenbahnverbindungen - eine ansehnliche Rendite ab. Trotzdem existierte die Bahn nur 22 Jahre. Ihr Meterspurgleis sowie ihre ungewöhnliche Stromabnahme waren nicht mit dem existierenden Frankfurter Normalspurnetz sowie dem im Aufbau befindlichen Offenbacher Straßenbahnnetz kompatibel. Daher beschlossen beide Städte, die FOTG anteilig zu kaufen und ihre Strecke auf die Frankfurter Normen umzustellen. Diese Maßnahmen waren bis Ende 1906 abgeschlossen, hiernach blieb die FOTG nur noch Geschichte. - - -

FOTG-Tw 1 an der Offenbacher Endstation Mathildenplatz Tw 1 mit Bw 13, gleicher Ort, Blick in Gegenrichtung
FOTG-TW 4 in der Frankfurter Straße Tw 1018 Straßenbahn Offenbach, BB Hebestraße um 1910

Die Frankfurter Linie 16 trat vor über 110 Jahren die Nachfolge der FOTG als Verbindung zwischen beiden Nachbarstädten per Verlängerung vom Lokalbahnhof an, seit 1996 ist aber leider schon an der Stadtgrenze Endstation. Offenbach mochte 1995 nach Eröffnung der S-Bahn vom Mühlberg bis Hanau den Unterhalt der der städtischen Infrastruktur nicht länger finanzieren und beantragte somit wurde für die (Rest-)strecke in der Frankfurter Straße die Stilllegung, nachdem das übrige Offenbacher Netz bereits 1951 bis 1969 außer Betrieb ging. Der RMV war ebenso wie die Stadt Offenbach leider der Ansicht, die Tram sei als Parallelverkehr zur S-Bahn entbehrlich. Heute wird das allgemein bereut...

Bis 1967 wurden die Züge der Linie 16 noch im Gemeinschaftsbetrieb mit der Offenbacher Straßenbahn gefahren. Dabei hatte Offenbach proportional zur Streckenlänge im Stadtgebiet ca. 1/4 der täglichen Kurse (2 - 3) zu stellen. Ein Offenbacher Zug der Linie 16 mit Ziel Frankfurt Hauptbahnhof hält hier 1944 an der Kreuzung Frankfurter- und Kaiserstraße, 2 Beiwagen geführt von einem R-Triebwagen. Ein Zug der Linie G28 überquert die gleiche Kreuzung mit Fahrziel Wilhelmsplatz. An dieser Kreuzung lagen früher 16 Weichen, was ein Abbiegen in alle Richtungen ermöglichte. Die G28 war eine der vielen "Gemüsetram"-Linien, mit denen 1943/1944 Obst & Gemüse von der Großmarkthalle wg. Kraftstoffmangel in diverse Stadtteile transportiert wurde. Ein weiteres Foto dieses Verkehrs findet sich weiter unten.
 
Werbung für die Güter-Straßenbahnlinie Frankfurt - Offenbach

Im Juli 1944 war versuchsweise ein Omnibus vom Schauspielhaus nach Offenbach zur Beförderung von Gütern eingesetzt. Dieses Angebot wurde sehr gut angenommen, weshalb es zur regulären Einrichtung wurde. Ab Ende August wurden deshalb zu diesem Zweck Straßenbahnzüge eingesetzt, die ein mal täglich verkehrten.
Die Fahrten wurden als Linie 26 deklariert, denn diese Fahrten durften von Personen zur Mitfahrt benutzt werden (GmP, = Güterzug mit Personenbeförderung). Die Liniennummer 26 war damals gerade in Offenbach vakant. Die Züge wurden auch im Gemeinschaftsbetrieb bedient, Triebwagen wurden alternierend vom Bh Offenbach als auch vom Bh Sachsenhausen gestellt, für die Transportzwecke wurden ihnen Arbeitswagen beigestellt.  
  Die Offenbacher Linie 27 an der Haltestelle Friedrichsring 1963 in der Waldstraße. . Ein S-Triebwagen mit 1953 bei Fa. Fuchs gebautem Verbandstyp-Beiwagen. Diese Wagen kaufte Frankfurt 1965, dort waren sie als Baureihe "ko" noch bis 1978 im Einsatz.

Die 27 verkehrte ab 1951 nur noch im Ringverkehr von Tempelsee zum Markt via Waldstraße und zurück über Hauptbahnhof, Bismarck- und Waldstraße wieder nach Tempelsee. Die Wende erfolgte über eine Schleife nahe der heutigen Stadthalle. Die Streckenverlängerung von Dietzenbacher Straße bis Brunnenweg war 1949 eingleisig unter Zuhilfenahme eines ehemaligen Industrie-Anschlussgleises erfolgt. das vis-a-vis der früheren Rowenta-Werken neben der Straße verlief.
Nach nur 14 Jahren wurde die Strecke wieder stillgelegt. Offenbach hatte noch 1957 drei Großraumzüge von DÜWAG gekauft, die stark den Frankfurter L-Wagen ähnelten. Sie kamen sowohl auf der 27 als auch auf der 16 zum Einsatz, ab 1963 aber zwangsläufig nur noch auf der 16. 1967 verkaufte man sie an die Stadt Bremerhaven, wo sie noch bis 1982 im Dienst standen. Allerdings schob Bremerhaven seine Tram dann ebenfalls auf das Abstellgleis, weshalb sie leider nicht das Einsatzalter der Frankfurter L-Züge erreichten.

Unten links:
Kaiserstraße mit Blick auf die Kreuzung Frankfurter Straße in den 50er Jahren. Linie 27 ist gerade vom Markt kommend Richtung Hauptbahnhof eingebogen. Inmitten der Kaiserstraße befand sich damals eine Tankstelle, rechts davon sind die Fahrdrähte der Obus-Linie 2 zum Goethering erkennbar. Ein O-Bus passiert gerade die Kreuzung während ein Bus der Schnellbuslinie 46 an der Endhaltestelle wartet. Unten rechts: Ein Frankfurter L-Wagenzug der 16 mit Triebwagen 225 an der Stadtgrenze in Richtung Frankfurt Messegelände um 1960.
     

Die Straßenbahn als Müllabfuhr

Bei der Planung der Müllverbrennungsanlage (MVA) in Niederrad (1901 - 1905) war der Mülltransport mit Straßenbahnwagen  vorgesehen und auch kostenmäßig kalkuliert und in die Berechnung der Wirtschaftlichkeit  einbezogen worden. Es sollten 5 Müllzüge, bestehend aus je einem speziellen Motorwagen und zwei Beiwagen beschafft werden. 1901 hatte das Tiefbauamt dem Magistrat über die Möglichkeiten einer Müllverbrennung ausführlich berichtet. Mehrere Tonnen des Frankfurter Hausmülls wurden probeweise nach Hamburg gebracht, wo seit 1893 eine eine Müllverbrennungsanlage arbeitete und wo Brennwert und Zusammensetzung des Frankfurter Hausmülls exakt ermittelt wurden.
Etwa 4/5 des täglichen Müllaufkommens der Stadt von damals ca. 300 m³, also etwa 240 m³, sollten mit Straßenbahnzügen von Sammel- oder Umladeplätzen im Stadtgebiet nach Niederrad gebracht werden. Es waren dafür spezielle Behälter vorgesehen, die mit wenigen Handgriffen von Pferdefuhrwerken auf spezielle Straßenbahnwagen umgeladen werden konnten. Die Kalkulation sah vor, das jeder Müllzug vier Container á 2,5 m³, zusammen also 30 m³ transportieren würde. Für die Bewältigung der Müllmenge von 240 m³ wären demnach 4 Züge nebst einem Reservezug notwendig gewesen, von denen jeder pro Nacht in der betriebsfreien Zeit zwischen Mitternacht und 5 Uhr morgens zwei Fahrten von den Umladeplätzen nach Niederrad hätte absolvieren müssen.   
Rechts: Test im Betriebshof Bockenheim: Umladung der Kehrichtbehälter auf den Müllbeiwagen der Straßenbahn
Alle Bilder & Grafiken: ISG, Magistratsakte 2.169 Bd. 1 
Es hat offenbar mindestens einen Prototyp eines Müllanhängers gegeben, über das Versuchsstadium kam das Projekt aber nicht hinaus. 1910, also bei Inbetriebnahme der Verbrennungsanlage, wurde der Müll ausschließlich mit Pferdefuhrwerken angeliefert, was entlang der Anfahrt-Routen wiederholt zu Anwohnerbeschwerden wegen des nächtlichen Verkehrs führte. Gleichwohl beschied der Magistrat noch 1912 die Beschwerdeführer, der Einsatz der Straßenbahn sei bis auf weiteres nicht vorgesehen.
Da schon zu Beginn des Ersten Weltkrieges das Städtische Fuhramt etwa ein Viertel seiner Pferde an das Militär abgeben musste, scheint der Mülltransport per Straßenbahn wieder erwogen worden zu sein, immerhin wurde 1914 das Anschlussgleis vom Haardtwaldplatz zur MVA durch die Kalmitstraße gelegt. Trotzdem gab es keinen regulären Müllverkehr auf der Straßenbahn. Zum einen gab es keine geeigneten Sammel- und Umladeplätze mit Gleisanschluss im Netz, sie hätten abseits der Wohngebiete erst angelegt werden müssen. Zum anderen hatte das Straßenbahnamt Bedenken, weil der Betrieb dafür hätte eingeschränkt werden müssen. Auf den südmainischen Strecken hätte er früher enden/später beginnen müssen, um Zulauftrassen für die Müllzüge zur MVA frei zu machen. Dagegen gab es erhebliche Einwände.

 Ansicht des Kehrichtwagens mit zwecks
Entladung geöffneter Rückwand
Zur Entladung auf Schiffe, Eisenbahn-Waggons usw.
vom Fahrgestell abgehobener Kehrichtbehälter
1923 beschloss der Magistrat, die MVA stillzulegen. Ab 1925 wurde der Müll nicht mehr verbrannt, sondern auf mehreren kleineren Deponien im Stadtgebiet gelagert, bis schließlich 1928 im Stadtwald eine Großdeponie angelegt wurde, die später als "Monte Scherbelino" bekannt war. Nach dem Krieg war der Brennwert des Mülls so stark gesunken, dass seine Verbrennung ohne Stützfeuerung, also Beimengung von Koks oder Holz nicht mehr gelang bzw. unwirtschaftlich wurde. Die MVA wurde deshalb 1925 stillgelegt und kurz darauf abgerissen. Das Anschlussgleis in der Kalmitstraße wurde 1928 ausgebaut.
Aktuelle Ergänzung: Knapp 80 Jahre später hat der Magistrat sich erneut mit diesem Thema befasst und eine Anregung des Ortsbeirats 8 zur Möglichkeit der Belieferung des MHKW Heddernheim über die Stadtbahnstrecke ausführlich beantwortet.

Gemüse-Straßenbahn im II. Weltkrieg

  Das Bild zeigt Gemüseverladung auf dem Gelände vor der Großmarkthalle. Die Zufahrt erfolgte von der Grusonstraße, wo ein Abzweig von der Strecke Ostbahnhof - Riederhöfe gelegt worden war. Insgesamt gab es überlieferte Transporte zu mindestens 6 Stadtteilen, die jeweils nach den dorthin verkehrenden Regelverkehrslinien benannt waren. Die Züge wurden hier alle hintereinander zur Beladung aufgestellt.  

Ehemaliges FLAG-Depot und Alter Bahnhof in Bad Homburg

  Für die Bad Homburger Straßenbahn wurde 1899 ein Depot in der Höhestraße 40 eröffnet. Nach Erweiterung wurde dieses ab 1910 auch von der FLAG für Züge der Taunusbahnlinie 25 genutzt. Der Betriebshof wurde 1955 beim Aufkauf der FLAG von der Frankfurter Straßenbahn übernommen, 1962 jedoch mit Stilllegung der Strecke zum Markt aufgegeben. Auf dem Gelände (hinter dem Küchencenter) liegt heute der Parkplatz eines Hochhauses.
> Lageplan > Gleisplan
Fotos: Stadtarchiv Bad Homburg,
Sammlung S 05, Sign. 1539
Das Bild rechts entstand um 1900 in Bad Homburg, es zeigt die Louisenstraße mit Blick Richtung Taunus. Das Gebäude links im Vordergrund war der Alte Bahnhof, bereits 1907 aufgelassen und durch den heutigen Bahnhof ersetzt. An seiner Stelle steht heute das Homburger Rathaus.  
Von 1900 bis in die 20er Jahre war hier  Startpunkt der Saalburgbahn, daher existierten bis 1928  drei Parallel-Gleise sowie ein Abzweig zum "neuen" Bahnhof. Zum Markt konnte zeitweise alle 5 Minuten mit der Straßenbahn gefahren werden! Denn damals fuhren drei Linien auf diesem Teil der Louisenstraße:
Die Straßenbahn zum Gotischen Haus, die Saalburgbahn und die 25 nach Frankfurt. Die 2 ersten ereilte bis 1935 allerdings die Stilllegung, womit die 25 in der Louisenstraße allein verblieb, sodass man am "Alten Bahnhof" alle überflüssigen Gleise entfernte. Als Haltestellen-Bezeichnung hielt sich der Name jedoch bis weit in die 60er Jahre...  
Die 25 wendete von 1962 bis 1971 am Alten Bahnhof, ein Gleisdreieck wurde dafür neu gebaut. (s. Bild). Ende 1971 wurde Gonzenheim zur Endstation der Stadtbahn, die City ist seitdem nur mit dem seit 1958 bestehenden Stadtbus erreichbar. Über 40 Jahre danach wird erneut eine Anbindung an die Homburger City geplant, diesmal zum "neuen" Bahnhof - als Verlängerung der U2.
 

www.tramfan-ffm.de
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